Künstler.innen: Christian Andersson
Christian Andersson

Christian Andersson, Looking backward, 2007, im Wohnzimmer von Jutta und Heinz-Günter Eickhoff,
© Stefan Müller, Courtesy: Galerie Nordenhake Berlin/Stockholm
Im Wohnzimmer von Ehepaar Eickhoff hat der schwedische Künstler Christian Andersson eine bis fast an die Decke reichende Vitrine aus Glas und Holz installiert. In der Vitrine befinden sich zwei Objekte: ein Dreifußstativ mit einem darauf montierten Scheinwerfer und ein Bücherständer aus dünnem schwarzen Draht. Der Ständer steht direkt vor der weißen Rückwand der Vitrine, leer, bis auf ein Buch: Edward Bellamy's Looking Backward 2000-1887. Er wird vom Licht des Scheinwerfers angestrahlt.
Jeder Gegenstand, der nicht transparent ist, hinterlässt in einen Lichtstrahl gehalten einen Schatten, den das menschliche Auge zumeist im Bereich von abgestuften Grautönen wahrnimmt.
Auch das Licht des Scheinwerfers in der Vitrine lässt einen markanten Schatten des Ständers auf der Rückwand entstehen. Und auch das Buch müsste ob seiner lichtundurchlässigen Materialität einen dunklen Schatten werfen. Nach näherer Betrachtung realisiert man jedoch, dass der Schatten des Buchständers sichtbar durch den Schatten des Buches hindurchgeht, welcher halbdurchsichtig zu sein scheint und ein wenig eingefärbt, wie das Buch selbst.
Es scheint so, als ob das Buch nicht den Gesetzen der Optik folgen will, dass es sich eher einem geisterhaften Diskurs verschrieben hat, einer anderen Zeit und Erscheinungsform.
„Looking Backward: 2000-1887″, und vollständig „Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf 1887″, ist ein Roman des Bostoner Anwalts, Journalisten und Schriftstellers Edward Bellamy und wurde 1888 veröffentlicht. Bellamy entwirft darin die Vision von einer neuen, glückseligen Gesellschaft als Kritik an der bestehenden Marktwirtschaft seiner Zeit. Es beginnt mit einer märchenhaften Setzung: Der 30jährige reiche Müßiggänger Julian West verfällt 1887 in einen Tiefschlaf, wird verschüttet und im Jahr 2000 von einem Dr. Leete und dessen Familie ausgegraben. Weder gealtert noch versehrt, setzt er sein Leben in der Familie seines Finders fort und lässt sich von seinem Finder über die neue Gesellschaft aufklären.
Die verschiedenen Zeitachsen, die hier aufscheinen, führen augenscheinlich zu einer Raum-Zeit-Singularität, gesteuert durch die Auswahl und Manipulation des Künstlers und seiner visuellen Stolperfallen, die auf das Flüchtige oder Trügerische der Wahrnehmung verweisen. Hinter dem subtilen Spiel von Objekt, Lichtquelle und Schatten verbirgt sich eine nicht minder komplexe Konfiguration verschiedener Sinnschichten, die sich jedem Betrachter individuell erschließt.
Christian Andersson
geboren 1973 in Stockholm
lebt und arbeitet in Stockholm
Einzelausstellungen
Jeder Gegenstand, der nicht transparent ist, hinterlässt in einen Lichtstrahl gehalten einen Schatten, den das menschliche Auge zumeist im Bereich von abgestuften Grautönen wahrnimmt.
Auch das Licht des Scheinwerfers in der Vitrine lässt einen markanten Schatten des Ständers auf der Rückwand entstehen. Und auch das Buch müsste ob seiner lichtundurchlässigen Materialität einen dunklen Schatten werfen. Nach näherer Betrachtung realisiert man jedoch, dass der Schatten des Buchständers sichtbar durch den Schatten des Buches hindurchgeht, welcher halbdurchsichtig zu sein scheint und ein wenig eingefärbt, wie das Buch selbst.
Es scheint so, als ob das Buch nicht den Gesetzen der Optik folgen will, dass es sich eher einem geisterhaften Diskurs verschrieben hat, einer anderen Zeit und Erscheinungsform.
„Looking Backward: 2000-1887″, und vollständig „Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf 1887″, ist ein Roman des Bostoner Anwalts, Journalisten und Schriftstellers Edward Bellamy und wurde 1888 veröffentlicht. Bellamy entwirft darin die Vision von einer neuen, glückseligen Gesellschaft als Kritik an der bestehenden Marktwirtschaft seiner Zeit. Es beginnt mit einer märchenhaften Setzung: Der 30jährige reiche Müßiggänger Julian West verfällt 1887 in einen Tiefschlaf, wird verschüttet und im Jahr 2000 von einem Dr. Leete und dessen Familie ausgegraben. Weder gealtert noch versehrt, setzt er sein Leben in der Familie seines Finders fort und lässt sich von seinem Finder über die neue Gesellschaft aufklären.
Die verschiedenen Zeitachsen, die hier aufscheinen, führen augenscheinlich zu einer Raum-Zeit-Singularität, gesteuert durch die Auswahl und Manipulation des Künstlers und seiner visuellen Stolperfallen, die auf das Flüchtige oder Trügerische der Wahrnehmung verweisen. Hinter dem subtilen Spiel von Objekt, Lichtquelle und Schatten verbirgt sich eine nicht minder komplexe Konfiguration verschiedener Sinnschichten, die sich jedem Betrachter individuell erschließt.
Christian Andersson
geboren 1973 in Stockholm
lebt und arbeitet in Stockholm
Einzelausstellungen
"Christian Andersson: Three Steps to Rockefeller", Fondazione Brodbeck - arte contemporanea , Catania (I), 2009
"The 1st at Moderna", Moderna Museet, Stockholm, 2005
"The 1st at Moderna", Moderna Museet, Stockholm, 2005
Gruppenausstellungen
"Changing Light Bulbs in Thin Air", CCS Bard Galleries and Hessel Museum of Art, Annandale-on-Hudson, New York, 2009
"Cinq milliards d'années ", Palais de Tokyo, Paris, 2006-07
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