Künstler.innen: Via Lewandowsky

Via Lewandowsky

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Via Lewandowsky, Der Sozialismus siegt, 2005, im ehemailgen Tapetenlager im Haus der Familie Steinkamp,© Stefan Müller, Courtesy: Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Die Wahrnehmung der Realität ist auch eine Wahrnehmung durch Bilder und Zeichen. Sie prägen das kollektive Gedächtnis, bieten Orientierung und fordern Glauben.

Glaube. Die Gewißheit wurde so dünn wie die Asche eines Liebesbriefes, haltlos, ließ Via Lewandowsky  neben einen Schriftzug setzen, der in der Ausstellung Heimat Moderne (GfZK, Leipzig 2005) Teil seiner Auseinandersetzung mit den „seltsamen Utopien unterschiedlicher DDR-Realitäten wie Glaube, Erbe, Freizeit, Alltag und Arbeit“ war: DER SOZIALISMUS SIEGT
Am Beispiel dieses einst zu DDR-Zeiten auf einem Hochhaus am Pirnaischen Platz in Dresden montierten Schriftzuges, vom Künstler zu einer Skulptur aus hinterleuchteten Einzelbuchstaben transformiert, "parodiert der Satz einerseits die utopischen Versprechungen des Sozialismus, andererseits steht er für Verlust: von gesellschaftlichen Versprechen, Glauben oder Hoffnung (B. Steiner).“ Mehr noch als in einem Kunstraum, ja erst recht in dem ehemaligen Tapetenlager im Haus von Familie Steinkamp, fragt die Arbeit ganz grundsätzlich nach gesellschaftlichen und individuellen Utopien. Das Lager, in dem sich einst hunderte von unterschiedlichsten Tapeten fanden, dafür gedacht Räume zu verändern, Farbe und Formen in den oftmals tristen Lebensalltag der Bergarbeiterfamilien zu bringen, ist fast in Gänze entleert – nachdem der Absatz zurückging, die Bergarbeiterwohnungen ausgestattet waren und allein die so genannte Erfurter Raufaser zum meistgekauften Artikel wurde.
Die Metaphorik des funktionslos gewordenen Raumes, der nur mehr die Relikte einer anderen Zeit und eines anderen Begehrens, Hoffens und Glaubens zeigt, findet im installierten Schriftzug seine Entsprechung. Die Worte des Künstlers zu seinem Werk in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig könnten auch diesen Raum meinen: “Ähnlich einem gestrandeten Wal kann man nun das ganze Ausmaß funktionslos gewordener Größe erkennen. Das Scheitern ist schon eine komische Sache; lustvoll lässt sich der Anblick genießen.”

Via Lewandowsky
geboren 1963 in Dresden
lebt und arbeitet in Berlin
 

Einzelausstellungen

"Via Lewandowsky. Applaus ", Haus am Waldsee, Berlin, 2008
"Homezone", GfZK - Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig, 2005

Gruppenausstellungen

"Art of Two Germanys - Cold War Cultures", LACMA - Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, California, 2009
documenta 9, Kassel, 1992


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